Disclaimer: Dieser Blogpost soll nicht feststellen, was moralisch richtig oder falsch ist, sondern den aktuellen Stand der Dinge zusammenfassen. Einerseits beinhaltet der Blogpost das Ergebnis der Diskussionsrunde auf #jetzt13, andererseits erzählt er die Geschichte, wie es zum AFAB1-Ticketkontingent auf #jetzt13 gekommen ist und wie es weitergeht. Dieser Blogpost spiegelt nicht die Meinung des Autors wider und wurde von einigen Menschen, die an der Diskussionsrunde auf #jetzt13 beteiligt waren, gegengelesen.
Wie kam es zum AFAB1 Ticketkontingent?
Um zu verstehen, wie es zu diesem Kontingent kam, muss man die Ereignisse auf den chaos.jetzt Geekends vor #jetzt13 beleuchten und die Bedürfnisse der verschiedenen Gruppen und Individuen anerkennen.
Auf #jetzt9 (Mai 2025) gab es einen "AFAB-only"-Workshop von und für Personen, die sich mit der Selbstbezeichnung AFAB identifizieren. Dieser ist entstanden, weil der workshopgebenden Person auffiel, dass es nur sehr wenige Wesen bei chaos.jetzt gibt, welche unter diese Kategorie fallen.
Aus dieser Session ist ein "Let's talk about sexism"-Workshop entstanden, der auf #jetzt10 gehalten wurde. Ziel des Workshops war es, strukturellen Sexismus anzusprechen und die Teilnehmenden für das Thema zu sensibilisieren.
Auf #jetzt10 (August 2025) kam ebenfalls die Forderung auf, das chaos.jetzt mehr Gruppen, welche aktuell unterrepräsentiert sind, fördern soll und es wurde die Idee, mehr Diversität und Inklusion durch eine Demografieförderung mittels einem Ticketkontingent informell diskutiert. Allen Beteiligten war klar, das eine Förderung sinnvoll ist. Die #jetzt11 Orga, welche das nächste Geekend plante und für die Ticketkontingentgestaltung für #jetzt11 verantwortlich ist, war anwesend und hat rege mitdiskutiert.
Bei #jetzt11 (November 2025) gab es dann das erste Mal ein Förderungskontinent, informell "Haecksenkontingent" genannt, da es über die Strukturen der Haecksen verteilt wurde. Offiziell gab es keine Nennung dieses Kontingents.
Die #jetzt12 (Februar 2025) Orga hat sich für einen anderen Modus entschieden. Vor dem Geekend gab es im semi-öffentlichen Matrixkanal folgenden Disclaimer mit der Ticket-Ankündigungsnachricht:
Wir möchten gern unsere Demografie vielfältiger gestalten und haben deswegen ein Voucherkontingent für Menschen, die neu sind und in unserer Gruppe Stand jetzt unterrepräsentiert sind. Wenn du Menschen kennst und ihnen einen Platz empfehlen willst, kannst du dich bis zum 10.01.2026 bei jetzt12@chaos.jetzt melden.
Und jetzt kommen wir schlussendlich zu #jetzt13 (April 2025) und dem AFAB-Ticket. Die Orga welche #jetzt13 veranstaltete, war unzufrieden mit der bisherigen Intransparenz der Ticketverteilung. Sie wollten kein Ticket welches unter der Hand durch andere Strukturen oder die intransparente Entscheidung der Orga verteilt wird. Im Nachhinein haben Personen aus der #jetzt13 Orga eingesehen, dass ein öffentliches AFAB-Ticket nicht der richtige Weg vorwärts ist.
Wie erfolgreich waren die verschiedenen Ticketkontingente in Zahlen?
| Geekend | Art des Kontingents | vergebene Tickets | Größe des Kontingents |
|---|---|---|---|
| #jetzt11 | durch Haecksen verteilt | 13/15 | ~18 % |
| #jetzt12 | auf Anfrage | 3/5 | ~12 % |
| #jetzt13 | AFAB Ticket im Pretix | 4/7 | ~13 % |
Ticketkontingentdiskussion auf #jetzt13
Auf #jetzt13 gab es dann eine mehrere Stunden lange Diskussionsrunde. In dieser Runde wurden die Probleme mit dem AFAB-Ticket angesprochen, das Problem von Diversität bei chaos.jetzt anerkannt und verschiedene Ticketmodi diskutiert.
Es wurde festgestellt, dass cis Frauen und trans Männer (und non-whites) unterrepräsentiert sind, weil der Zugang zum Chaos für diese schwierig ist. Einerseits, weil es wenige Peers gibt, die ihnen innerhalb der Gruppe Halt geben oder ein Vorbild sein können. Andererseits, weil durch die aktuelle Demografie strukturelle Diskriminierungsformen (un)bewusst reproduziert werden.
Die Diskussionsgruppe auf #jetzt13 war sich einig, dass die Ticketmodi, der vorangegangenen Geekends, also #jetzt11 (via Haecksen), #jetzt12 (via Anfrage) und #jetzt13 (AFAB-Tickets) alle unzufriedenstellend sind und wir neue Lösungen brauchen.
Folgende Ticketmodi wurden durch ein Stimmungsbild als überwiegend positiv befunden:
- "weiblich sozialisierte Wesen"-Ticket im Pretix
- "du bist nicht cis männlich / trans weiblich"-Ticket im Pretix
Des Weiteren gibt es Ticketmodi, welche weder als positiv, noch als negativ befunden wurden (neutral oder 50 % positiv + 50 % negativ):
- "Explizite Gruppen aufgelistet"-Ticket im Pretix
- "Unterrepräsentierte-Gruppen"-Ticket im Pretix
Zusätzlich wurde angemerkt, dass weitere Diskussionen, vor allem mit Betroffenen, wichtig sind und das es mehr Kommunikation über Kontinente und Ticketverkauf braucht.
Quo Vadis
Das nächste chaos.jetzt Geekend im August, #jetzt14, wird dezentral in 3 Standorten gleichzeitig stattfinden, dadurch gibt es 3 Orgas, welche sich für (oder gegen) eine Art von Ticketkontingente entscheiden wird.
Ich würde mir wünschen, wenn auf weiteren Geekends die Diskussion um Diversität und Inklusion, und wie das (z.B. durch Ticketkontingente) umgesetzt werden kann, weitergeführt wird. Ich hoffe, Menschen werden auf #jetzt14 Workshops und Diskussionsrunden organisieren um mehr Bewusstsein und Sensibilisierung zu diesen Themen zu schaffen.